Das neue Outdoor-Magazin „Walden“ – Kann der Hipster Outdoor?

Das Buch „Walden“ von Henry David Thoreau hat Generationen von Outdoor-Fans geprägt. Nun wurde ein Magazin nach ihm benannt. Es soll für Männer sein und für alle, die „…in der Natur nicht den Thrill, sondern das Erlebnis suchen.“ Wir haben uns die erste Ausgabe angesehen.

Die Aufmachung ist schon mal sehr ansprechend: dickes Umweltpapier, schönes Layout, tolle Illustrationen. Beim Durchblättern fallen einem sofort die stimmungsvollen Fotos auf die Lust auf mehr machen. Beim lesen fragt man sich dann aber das ein oder andere Mal: Wozu soll das gut sein?

Der gefühlt tausendste Artikel über Chris McCandless alias Alexander Supertramp und seinen tragischen Tod im „Magic Bus“ ist überflüssig. Auch die verschiedenen Methoden eine Arschbombe in Wasser zu machen liefert , trotz Illustrationen, weder Unterhaltungswert noch einen nennenswerten Erkenntnisgewinn. Und was soll der Artikel über das penislose Leben der Eule? Einfach zu simpel, sind die Rezepte „Gegrillter Fisch“ und „25-Minuten-Bolognese, hier hätten wir uns etwas mehr Kreativität gewünscht.

Interessant wird es beim Selbstversuch der Redaktion, ein Kanu in 11 Stunden zu bauen. Gut sind auch die Tipps über Messer und über spontane Mikro-Abenteuer in der unmittelbaren Umgebung. Der Reisebericht von dem Kartographen Matthew Rangel und seiner Tour durchs Karwendel ist mit schönen Abbildungen auf Ausklappseiten sehr lesenswert. Da bekommen wir sofort Lust uns mit Bleistift und Notizblock in die Berge zu gehen.

Spannend fanden wir den Artikel über die Havelquell-Tour. Unter der Rubrik „Das Walden Wochenende“ gibt’s eine nette Beschreibung der Kanutour, ein paar gute Tipps und eine Anleitung zum Paddeln. Extrem gut geschrieben und aufschlussreich ist der Artikel von Sebastian Junger, der dem Sinn nachgeht, warum wir uns trotz Gefahren immer wieder aus dem vermeintlich sicheren Alltag ins Abenteuer stürzen.

Dass es bei „Walden“ aber nicht primär um Outdoor geht merkt man an den Produktempfehlungen der Redaktion: Pfeil und Bogen, eine Schaukel und dazu überteuerte modische Textilien im Outdoorlook. So wirbt dann auch Olympus nicht mit den Kameras seiner „Tough“-Serie, sondern mit einer Kamera im Retro-Look.

„Walden“ bietet viel nettes gepaart mit einigem interessanten und wenig nützlichem. Es versucht schon eher ein Lebensgefühl zu vermitteln. Eines in dem man seinen selbstgefangenen Fisch über dem Lagerfeuer grillt und sich dabei über den Pitch am Montag in der Agentur unterhält. „Walden“ hat nach unserem Geschmack zuviel Hippster-Bart und Röhrenjeans statt Goretex und Freizeitlook. Und warum ist es eigentlich nur für Männer?

Am Ende stellen wir uns die Frage, ob wir in Zukunft scharenweise Outdoor-Hipster durch die Wälder streifen sehen. Oder sind Sie vielleicht schon da? Das nächste Heft erscheint im Herbst – wir sind gespannt.

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Dennis,
    schönen Dank von uns WALDENern, dass Ihr euch unser Magazin angeschaut und rezensiert habt. Auch Eure Kritik nehmen wir gerne mit: Wir produzieren gerade unsere zweite Ausgabe (ab 04. September am Kiosk) und sind natürlich dankbar für jeden Hinweis, was wir beim zweiten Mal anders und besser machen können. 🙂

    Zugegeben, die Arschbomben-Doppelseite ist eine Geschmacks- und Humorfrage, allerdings zeigen uns diverse Likes und Zuschriften, dass sie vielen tatsächlich gefallen hat. Der von Dir kritisierte “gefühlte tausendste Artikel über Chris McCandless” allerdings ist eben genau das nicht, sondern der erste Artikel, in dem wir über zwei aktuelle, entscheidende und abschließende Wendungen im Fall McCandless berichten. Genauso lässt sich Deine Frage beantworten, was denn der Artikel über die penislose Eule soll, in dem es eben nicht um Penislosigkeit, sondern um ein wesentliches Evolutionsprinzip geht, das einer der meistdekorierten US-amerikanischen Wissenschaftsjournalisten für uns beschrieben hat. Aber dazu müsste man die Artikel eben auch gelesen haben.

    Nochmals aber: Schönen Dank fürs Interesse. Hat uns wirklich gefreut! Und: WALDEN #2 ist ab 04. September am Kiosk.

    Herzlich, Harald

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