Ausflug in die Halong Bay

Also, so ganz habe ich nicht daran geglaubt, dass dieser Ausflug noch was wird. Ich hatte mehrere Veranstalter angeschrieben und keiner hatte zunächst geantwortet. Fragte ich nach, bekam ich eine Absage: “High Season”. Der letzte hatte mir immerhin noch angeboten, dass er mich bei einem weiteren Anbieter unterbringen kann. Dann aber bitte per Sofortüberweisung bestätigen. Kurz vor Abflug aus Hamburg noch schnell 260 $ an eine dubiose Internet-Bank überwiesen und dem Veranstalter gemailt in welchem Hotel ich bin.

Tatsächlich stand knapp 36 Stunden später ein Reiseleiter in der Lobby und das auch noch überpünktlich. 4 Stunden brauchte der Bus für die 180 km von Hanoi zu dem Hafen vor dem das Schiff wartete. In dem diesigen Wetter konnte ich kurz vorm Ziel über Reisfelder hinweg am Horizont die ersten steil aufragenden Felsformationen sehen und die Vorfreude auf diese einzigartige Landschaft wuchs. Am Pier angekommen, der wie eine Treppe ins Wasser reicht, mussten alle Teilnehmer der Tour mit ihrem Gepäck beladen einen großen Schritt über die Rampe auf einen kleinen Tender machen. Diesen Stunt überlebt, wurde jeder mit einer Schwimmweste belohnt, die wir aufgrund gesetzlicher Bestimmungen bitte auch alle anlegen mochten. Nach einer kurzen Fahrt zu dem Boot, das im Hafenbecken vor Anker lag, sollten wir den Stunt mit der Rampe vom Tender auf eben dieses Boot wiederholen. Die gesetzlichen Bestimmungen enden hier jedoch anscheinend wieder, weshalb vorher bitte alle die Schwimmwesten wieder ablegen.

Schnell hatte ich die kleine Kabine bezogen (mit eigenem Bad und Dusche) und schon gab es ein vietnamesisches Mittagessen im Salon. Vor dem Fenster glitten die steil aufragenden Felsformationen die riesigen Halong Bay vorbei. Die fast 2.000 kleinen Inseln mit ihren nahezu senkrechten Felswänden, lagen mystisch im Dunst. Am Nachmittag erkundete ich mit einem Kajak eine kleine Insel mit einer Lagune, die durch eine Höhle mit dem Meer verbunden ist. In den Felsen konnte ich Affen beobachten und hoch über mir kreisten die Schwarzmilane. Zwischendurch kamen schwimmende Händler längsseits und boten alles nur erdenkliche an. Abends fuhr das Boot zu einer anderen kleinen Insel und unsere kleine Gruppe stieg zum Sonnenuntergang bis auf den Gipfel. Ein tolles Schauspiel, wenn sich Himmel und Wasser verfärben und unten zwischen den vielen Inseln die Boote hin und her fahren.

Zurück auf dem Boot versuchte ich mich im fangen von Tintenfischen, während das Abendessen vorbereitet wurde. Mit einem breiten Grinsen wurde der Reisegruppe immer wieder Hummer, Austern und Schildkröte versprochen. Es waren dann Krabben, Muscheln und eine Reisschale in Schildkrötenform. Zum Glück klappte das mit dem Tintenfisch-Fangen nicht ganz so gut und mir blieb diese glibberige Erfahrung vorerst erspart.

Der nächste Morgen begann mit einer Thai-Chi-Stunde auf dem oberen Deck, während die Sonne das Farbenspiel vom gestrigen Abend wiederholte. Nach einem guten Frühstück war ich fit für die Sung Sot Höhle, “eine der größten und schönsten der Bucht”. Beeindruckend war nicht nur die Größe der Höhle (die Insel ist ja recht klein) und die Schönheit (gekonnt in verschiedenen Farben ausgeleuchtet), sondern auch die Fantasie, mit der Drachen, Schildkröten oder Frösche in die bizarren Felsformationen hineininterpretiert werden. Für manche mag diese Inszenierung zu kitschig sein, ich fand sie irgendwie passend und bin froh, dass die Besichtigung Teil des Programms war. Vor der Höhle hatten einige Händler und Fischer mit ihren Booten festgemacht und boten frische Waren an. Hier werden wohl weniger die Touristen als die Crews einkaufen.

Zurück auf dem Boot gab es noch einen kleinen Kochkurs, bei dem ich eine Art Vietnamesische Frühlingsrolle zusammenstellte, die dann auch gleich verzehrt wurde, ohne noch mal in der Fritöse zu landen. Den Rest des Vormittages entspannte ich dick eingepackt bei 17 Grad auf dem Sonnendeck und ließ die Inseln, schwimmenden Dörfer und Ausflugsdampfer an mir vorbeiziehen. Bis das Schiff zurück im Hafen war und das Abenteuer mit einem genauso waghalsigen Manöver beendet wurde, wie es begann.

Gegen 17:00 Uhr war ich wieder in Hanoi und schlenderte über den gigantischen Nachtmarkt und durch die Altstadt.

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