Delikatessen auf acht Beinen – Gastbeitrag von Andreas Pröve

Abenteuer Mekong

Andreas Pröve liebt es zu reisen. Besonders Fernreisen haben es ihm angetan. Nichts besonderes denkt ihr? Oh doch, denn Andreas begibt sich im Rollstuhl auf seine vielen Abenteuer. Heute nimmt er uns mit an einen kleinen Marktstand in Skoun, Kambodscha. Wir finden Andreas unglaublich mutig – nicht nur dafür, dass er Vogelspinnen probiert!

Abenteuer Mekong
Abenteuer Mekong

Wenn Andreas Pröve aufbricht,

will er mit allen Sinnen erleben.

Hin und wieder stößt er aber an Grenzen.

Meinem Leitsatz auf Reisen, alles zu probieren, was mir meine Gastgeber anbieten, bin ich bisher brav treu geblieben. Schließlich wird mich nicht umbringen, was ihnen schmeckt.

In Skoun, unweit des Mekong in Kambodscha, bin ich meinem Prinzip allerdings fast untreu geworden.

Hier dreht sich alles um Haplopelma longipes, bekannter unter dem Namen Tarantel oder Vogelspinne, die in den Wäldern der Umgebung besonders häufig vorkommt. So sehr, dass irgendwann jemand auf die Idee gekommen ist, sie zu frittieren. Dann bedurfte es lediglich des Gerüchtes, Vogelspinnen seien für dies oder das gut und schon hatte die Kambodschanische Küche eine weitere Spezialität. Am Ortseingang stehen sie mit ihren Schalen voller frittierter Spinnen – die Verkäuferinnen. Und schon fordert mein Freund Nagender mich zum Probieren heraus. Ich nehme all meinen Mut zusammen und greife zu. Als die acht Beine abgeknabbert sind – (nur mäßig lecker), verlässt mich mein Appetit. Der Körper ist, wie sagt man, noch blutig und leckt an der Stelle, wo ich die Beine herausgerissen hatte. Ich esse nicht auf.

Und wieder habe ich etwas gelernt: Vogelspinnen lassen sich schwer garen. Ist der Körper durch, sind die Beine verkohlt – sollen die Beine essbar sein, bleibt der Rest roh. “Da sind sie mir lebendig wirklich lieber”, rutscht es mir heraus. Hätte ich das bloß nicht gesagt. Mein Freund Nagender nimmt mich beim Wort und fordert eines der Mädels an der Straße auf, in den großen Sack zu greifen. Erst jetzt wird mir klar, dass es darin wimmelt und was mir bevor steht. Ich könnte jetzt sagen nein, ich will nicht, ich habe Angst vor Spinnen. Aber die Grenzerfahrung reizt. Kann ich meine Angst, die Abscheu und Phobie überwinden, den Schauder ertragen, wenn mir eine dieser riesigen Spinnen über den Arm läuft? Mein Verstand sagt, sie ist nicht giftig, wird mich nicht fressen, nicht beißen, allenfalls mit ihren acht Beinen ein wenig Kitzeln. Mein Gefühl dagegen sträubt sich vehement. Gegen alle inneren Widerstände halte ich meinen Hand hin.

Abenteuer Mekong
Abenteuer Mekong

Jeden Schritt ihrer acht Beine spüre ich, ihre feinen Widerhaken, mit denen sie sich an mir festkrallt und ihre Härchen, die mich seicht streifen. Besonders spüre ich den Zunami, der mich durchpflügt. Meine Emotionen spielen verrückt, jagen mir eine Gänsehaut nach der anderen über die Haut, der Körper bebt – schaurig schön. Sie steigt an mir hoch, erklimmt meine Schulter. Erneut überkommt es mich, als sie mir über das Ohr klettert – eine besonders empfindliche Zone. Erst als sie oben ist, ist es vorbei. Als hätte jemand das Unbehagen ausgeschaltet, macht mir die Tarantel auf dem Kopf nichts mehr aus, nicht die zweite und nicht die dritte, die mir die Verkäuferin lachend aufsetzt. Am Ende war ich mir sicher, das Trio hatte mehr Angst als ich.

www.proeve.com

Andreas Pröve hat seine Erfahrungen und Erlebnisse in seinem Buch “Abenteuer Mekong” veröffentlicht.

 

 

 

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