Ausflug in die demilitarisierte Zone (DMZ)

Eigentlich sollte ein Ausflug zu den Höhlen bei Ho-Chi-Minh-Stadt das Einzige sein, was ich mir vom Krieg in Vietnam anschauen wollte. Im Stadtbild von Hanoi wird man eh häufig an die Kolonialzeit, den Indochinakrieg und den Vietnamkrieg erinnert. Meist durch alte Propaganda-Poster oder kleine Bunker an Straßenecken, an Brücken oder anderen Infrastrukturbauwerken.

Nun war ich aber schon mal in Hue, von wo aus die Touren in die DMZ angeboten werden und jetzt hatte ich irgendwie das Gefühl hier was zu verpassen. Also kurzerhand beim einchecken den Rezeptionisten gefragt und natürlich findet sich eine Möglichkeit: Sein Cousin kann mich morgen in die DMZ fahren und einen Guide besorgt er mir auch noch. Das ganze Paket kostet als private Tour – “special Price for you my friend” – 120$. Ok, morgen früh dann um sieben in der Lobby. Ob das mal klappt?

Vietnam – Ein Land vom Krieg gezeichnet

Es klappte! Die Sonne war zwar schon aufgegangen, aber es hing noch ein zäher Nebel über dem Land, als ich nach Norden gefahren wurde. In Dong Ha stieg der Guide zu und wir fuhren zu den berühmten ehemaligen Kriegsschauplätzen. Von den Bomben ist heute nicht mehr viel zu sehen. Die Region ist nach wie vor ländlich geprägt und die Reisbauern haben die Trichter schnell wieder eingeebnet. Nur an den Rändern der Felder sieht man noch hier und da große Bombentrichter aus dem Vietnamkrieg.

Vorbei ging es an Bergen mit steilen Felsflanken, die von der amerikanischen GIs “Razorback” oder “the Rockpile” getauft wurden. Ich stellte mir vor, wie es damals wohl war als junger Marine auf diesen steilen Felsformationen auszuharren und zu wissen, dass unter einem in jeder Nacht der Nachschub durch den dichten Dschungel nach Süden gebracht wurde. Andersherum, wie die vietnamesischen Soldaten sich am Fuße dieser Hügel wohl gefühlt haben müssen, in dem Wissen ständig beäugt zu werden und nie zu wissen, wann die Bomben fallen. Schwer vorstellbar, wie in einem so wundervollen Land mit einer so großartigen Kultur so schreckliche Dinge passiert sind.

Geschützstellungen am Ho-Chi-Minh-Pfad

Von der ehemaligen Geschützstellung “Caroll” aus deckten die Amerikaner ihre Basen im Umfeld und beschossen den Ho-Chi-Minh-Pfad. Mehr als eine vom Dschungel überwucherte Wiese ist heute aber nicht mehr übrig. Und der Ho-Chi-Minh-Pfad? Den konnte ich an der Da-Krong-Brücke sehen. Der Übergang über den Fluss war wichtig für die vietnamesischen Nachschubrouten in den Süden und war im Vietnamkrieg heftig umkämpft. Heute ist der Ho-Chi-Minh-Pfad eine ganz normale Landstraße. Sie ist bei den Fahrern beliebt, da sie ja mitten durch den Dschungel führt. Weitab von den Dörfern an der Küste und die größeren Siedlungen meidend ist hier meist nicht viel Verkehr – dennoch war der Ausbau des Pfades zu einer richtigen Straße ein Projekt nationaler Wichtigkeit.

Auf der Khe Sanh Combat Base

In Serpentinen ging es weiter nach Nordwesten und die diesige kühle Luft gab die dicht bewaldeten Gipfel der umliegenden Berge frei. In Khe Sanh, wurde wohl eine der bekanntesten Schlachten des Vietnamkrieges ausgetragen. Hier blockierten vietnamesische Einheiten die Straße auf der ich mich gerade befand und schnitten die Basis somit von der Versorgung über Land ab. Die Belagerung dauerte mehrere Wochen und während die Welt auf Khe Sanh schaute, bereitete die Nordvietnamesen die Tet-Offensive vor. Gleichzeitig führt einem diese Basis die Absurdität des Krieges vor Augen, denn nur kurze Zeit nachdem die Amerikaner ihre Basis erfolgreich verteidigt haben, gaben sie sie wieder auf.

Von der Basis selbst ist nicht mehr viel übrig. Ein paar erbeutete Hubschrauber und Panzer stehen hier noch (gut in Schuss), sowie ein C-130 Hercules Transportflugzeug, das mit seiner Größe etwas deplatziert wirkt. Die Landebahn ist noch gut zu erkennen und der Tower sowie Reste von Geschützstellungen sind erhalten. In einem kleinen Museum kann man sich über die überragenden Siege der Nordvietnamesischen Armee informieren.

Ein kalter Wind fegte über die Hügelkuppe und verstärkte meine Gänsehaut, als ich mir vorstellte, wie sich die Soldaten auf diesem Stützpunkt wohl gefühlt haben müssen, als sie von der Außenwelt abgeschnitten waren und aus dem undurchdringlichen Dschungel heraus beschossen wurden.

Die Tunnel von Vinh Moc

Richtig beklemmend wurde es, in der eigentlichen DMZ. Jedes Stückchen Land das nicht als Acker genutzt wird ist hier noch heute von Einschlagskratern übersät – einige von diesen Narben sind unfassbar groß. Neben Napalm und Chemikalien wurden hier währen des Vietnamkrieges pro Einwohner etwa sieben Tonnen Bomben abgeworfen. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als unter die Erde zu fliehen. Damals waren die Eingänge der Tunnel von Vinh Moc gut versteckt. Über einen von ihnen stieg ich in das bis zu 23 Meter tiefe Stollensystem. Neben Höhlen zum wohnen gibt es hier einen Versammlungsraum, Brunnen mit Waschecke und einen “Kreissaal”, in dem in den Kriegsjahren 17 Kinder das Licht der Welt erblickten. 300 Menschen lebten hier sechs Jahre und konnten nur nachts raus, um ihre Felder zu bestellen und Nahrung zu besorgen. Da diese Tunnel zum Schutze der Zivilbevölkerung dienten, sind sie wesentlich größer als die Tunnel, die man in der Nähe von Ho-Chi-Min-Stadt besichtigen kann.

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Den Abschluss der Tour bildete der Besuch auf einem Soldatenfriedhof. Der Guide merkte an, dass es nur gemeinsame Friedhöfe Nord- und Südvietnamesen gibt. Jedes Grab trägt die Aufschrift „Gefallen für das Vaterland“. Es gibt auf den vietnamesischen Friedhöfen demnach keine „Schuldigen“ oder „Besiegten“ und um alle Opfer dieses traurigen Konflikts, egal ob aus Nord oder Süd, wird gemeinsam getrauert.

Auf der Rückfahrt hatte ich ein ungutes, merkwürdiges Gefühl. Es war auf jeden Fall ein sehr ernster Tag, der so ganz anders war als andere Urlaubstage. Aber ich kann diese Tour nur jedem empfehlen, der einen Urlaub in Vietnam macht und in Hue ist. Der Krieg ist Teil der Geschichte von Vietnam und es ist meiner Meinung nach wichtig, sich auch damit auseinanderzusetzen, wenn man dieses Land bereist.

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