Hüttentrekking rund um den Königssee

Das Berchtesgadener Land lockt mit einem in Deutschland einzigartigen Nationalpark. Die Alpen bilden im Süden des Parks eine natürliche Barriere. Davor, sozusagen in den hintersten Winkel Deutschlands, hat sich eine Tier- und Pflanzenwelt zurückgezogen, die ich in dieser Pracht nicht erwartet habe.

Besonders im Süden des Parks ist das Gefühl stark, dass man als Mensch hier nur Gast ist. Schnee-Eulen blicken auf einen hinab, während der Hirsch in der Ferne röhrt und man einsam durch den verwunschenen Wald wandert. Spuren der Zivilisation findet man hier lediglich beim Blick nach oben, wenn Flugzeuge ihre Kondensstreifen über den Himmel ziehen.

Verwünschener Weg durch das Berchtesgadener Land. (Alle Rechte vorbehalten)
Verwünschener Weg durch das Berchtesgadener Land.
(Alle Rechte vorbehalten)

Klettersteiggeher beginnen diese Tour am besten mit einer Watzmannüberschreitung. Wanderer können als erste Etappe von Berchtesgaden (572 m) durch das Wimbachtal zur Wimbachgrieshütte (1.327 m) gehen. Sie werden sich wundern wie schnell die Zivilisation hinter der letzten Ecke zurück bleibt und die Natur einen aufnimmt.

Früh am Morgen geht es von der Wimbachgrieshütte in Richtung Süden. Die meisten anderen Wanderer gehen nach einer Watzmannüberschreitung entweder durch das Wimbachtal zurück nach Berchtesgaden oder nach Südosten in Richtung Königssee, sodass man schnell alleine ist. Gämse beäugen einen von den umliegenden Hängen. Der Weg ist schlecht markiert, das Gelände aber einfach. Über ein Hochmoor bahnt man sich, beobachtet von Murmeltieren, den Weg in Richtung Ingolstädter Haus (2.119 m). Beim Mittag auf der Terrasse staunt man über die Weite und Ödnis des steinernen Meeres, das bis zum Horizont reicht. Auf dem Weg zum Funtensee (1.601 m), dem kältesten Ort Deutschlands, ändert sich nicht nur die Landschaft, sondern auch die Jahreszeit. Zumindest im Spätsommer, wenn die Bäume noch in dunklem Grün stehen, findet man hier schon sehr viel rot, orange und gelb. Der Temperaturunterschied in diesem kleinen Tal ist deutlich spürbar und auf eine geografische Besonderheit zurück zu führen. Das freundliche Personal im Kärlinger Haus nimmt einem herzlich auf.

Das Ingolstädter Haus im Steinernen Meer von Berchtesgaden. (Alle Rechte vorbehalten)
Das Ingolstädter Haus im Steinernen Meer von Berchtesgaden.
(Alle Rechte vorbehalten)

Highlight: Vom Funtensee zum Königssee

Trotz der Kälte sollte man sich am nächsten Morgen früh aus dem Bett schälen, wenn die meisten Tiere aktiv sind. Der Weg in Richtung Königssee ist ein besonderes Highlight. Der dichte Wald hat im Laufe der Jahre eine wahre Kraterlandschaft überwuchert. An die natürlichen Anstiege kann man sich gut anschleichen und übe den Rand in die nächste Senke schauen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass Tiere ein leichtes Fluchen hören, wenn man kurz vorher im dichten Geäst über eine Wurzel gestolpert ist. Der Wald endet abrupt an einer Felsflanke, an der man steil zum Königssee (603 m) absteigt. Den tiefblauen Königssee kann man von hier aus fast in seiner ganzen Länge bewundern. An der Saletalm besteht die Möglichkeit mit der Fähre zurück nach Berchtesgaden zu fahren.

 

Am Funtensee, dem kältesten Ort Deutschlands. (Alle Rechte vorbehalten)
Am Funtensee, dem kältesten Ort Deutschlands.
(Alle Rechte vorbehalten)

Hat man noch zwei Tage Zeit, lohnt es sich auch noch die Ostseite des Sees zu erkunden. Wenn einen der Touristenrummel an der Saletalm nicht stört, kann man hier gut Mittagessen. Der Tag ist noch lang. Die Höhenmeter, die es vormittags nach unten ging, müssen nun an der Ostseite des Königssees wieder aufgeholt werden. Hier trifft man häufiger auf Wanderer und das Wegenetz wird etwas dichter. Kurze Pause an der Götzen Alm (1.685 m), die einen überragenden Blick auf den Watzmann bietet und in der sicherlich auch eine Übernachtung lohnt. Spannend ist am mittlerweile späten Nachmittag noch einmal der untere Hirschenlauf. Ein Steig, der an einem steilen Hang durch dichten Wald führt. Gute Chancen Tiere zu beobachten. Die letzten Höhenmeter quält man sich bis zum Carl-von-Stahl-Haus (1.733 m).  Eine Alternative ist knapp unterhalb das Schneibsteinhaus (1.670 m).

Hoher Göll und Schustersteig

Der nächste Tag wartet gleich mit einem knackigen Anstieg. Es geht über einige Gipfel des Hohen Bretts den Grat entlang zum Hohen Göll (2.522 m), der eine fantastische Aussicht auf das Berchtesgadener Land bietet.

Schon während des Aufstiegs zeigt sich ein atemberaubender Ausblick. Im Süden türmen sich die Alpen. Man staunt über den Kontrast aus sattem Grün des Nationalparks und tiefem Blau des Königssees. Über allem thront der Watzmann, der einen scheinbar nie aus den Augen lassen möchte.

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Die Tour zum Purtschellerhaus (1.692 m) ist anspruchsvoll. Der Weg ist häufig ausgesetzt und das Gelände sehr steil. Man ahnt es schon, wenn man das Haus auf dem letzten Gipfel, dem Rauchfang (2.253 m), tief unter einem sieht. Die letzten Höhenmeter klettert man über den Schustersteig nahezu senkrecht und durchgehend gesichert nach unten. Hier ist ein Klettersteigset Pflicht!

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Am nächsten Tag wartet mit dem Mannlsteig noch einmal eine leichte aber sehr schöne Ferrata auf einen. Sie ist technisch nicht sonderlich anspruchsvoll und verlangt einem nicht viel Kraft ab, macht aber umso mehr Spaß.

Der Mannlsteig endet am Kehlsteinhaus (1.843 m). Hier wird die dunkle Geschichte von Berchtesgaden erlebbar. Das Haus ist im angelsächsischen Raum besser bekannt als „Eagles Nest“ und vor allem für amerikanische Touristen eine Attraktion. Sie kombinieren den Besuch mit einem Ausflug zum Obersalzberg.

Das Kehlsteinhaus wurde 1938 von den Nazis als Teil des Komplexes am Obersalzberg erbaut und ist noch komplett erhalten. Im Haus bringt ein Aufzug einen 124 Meter tief in den Berg. Ein ebenfalls 124 Meter langer Tunnel, der aus einem Indiana Jones Film stammen könnte, führt zu dem Parkplatz mit Bussen nach Berchtesgaden.

Fazit: Außergewöhnliche Tour, die mit vielen Varianten auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann.

Tipp: Die Anreise über Salzburg statt über München kann eine günstigere Alternative sein. Die Busse nach Berchtesgaden fahren häufig.

Beste Zeit: Juli bis September

Übernachtung: Alpenvereinshütten, Naturfreundehaus

Karte: „Nationalpark Berchtesgaden“ 1:25.000 vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation

Mehr Fotos gibts auf Flickr

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