Kanutour auf der Mecklenburger Seenplatte

Das Abenteuer vor der Haustür

Einfacher und unproblematischer kann man ein Mikroabenteuer nicht erleben. Mit dem Auto 1,5 Stunden von Berlin und 2,5 Stunden von Hamburg liegt die Mecklenburgische Seenplatte. Eine Aneinanderreihung von Naturschutzgebieten und unzählige Seen, Flüssen und kleinen Kanälen. Mehr als einen eigenen Schlafsack braucht man nicht, denn Kanu, Zelt, Kocher und alles was man sonst so braucht kann günstig für ein Wochenende gemietet werden. Den Anbieter Kanatu im kleinen Ort Priepert können wir sehr empfehlen. Das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit, die gemietete Ausrüstung in einem top Zustand. Der Ort ist auch ein schöner Ausgangspunkt für eine Wochenend-Tour an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Wir sind etwas spät aus Hamburg weggekommen und erreichen Priepert erst am späten Nachmittag. Nach einer kurzen Einweisung im Zeltaufbau kann es losgehen. Also, schnell alles einpacken und in das geräumige Zweier-Kanu verladen. Denn die Sonne steht schon recht tief.

Und plötzlich waren wir alleine – Abends auf der Havel 

Nachdem wir abgelegt haben, geht es nach Norden über die Havel. Hier genossen noch ein paar Wassersportler die letzten Sonnenstunden bei dem guten Wetter. Der Himmel war blau und das Wasser angenehm warm. Als wir wenig später nach Westen abbogen, verengte sich die Havel und wir waren plötzlich alleine auf dem Wasser. Obwohl der Himmel noch hell war, schien der dichte Wald hinter den Ufern alles Licht zu verschlucken. Staunend beobachteten wir Eisvögel bei der Jagd, wie sie schnell und dicht am Ufer lang flogen und dann unvermittelt ins Wasser stießen – Ein beeindruckendes Schauspiel.

Nach der engen Passage paddelten wir langsam über den Drewensee. Hier war es dann wieder etwas heller und wir sahen Milliarden von Insekten in den letzten Sonnenstrahlen über dem Wasser tanzen. Der See lag ganz still da. Nur das Geräusch unserer eintauchenden Paddel war zu hören und verursache kleine Wellen die bis ans Ufer schwappten.

Trotz zunehmender Dunkelheit konnten wir anhand der Lichter am Ufer gut navigieren und steuerten gezielt auf den Campingplatz am Drewensee zu. Leider können wir den gar nicht empfehlen, denn das Personal ist wirklich unfreundlich. Zwei Mal werden wir angeraunzt, weil wir eine Frage stellen und dürfen mit unserem Zelt auch nicht auf die große (freie) Wiese, auch nicht an den Rand. Stattdessen müssen uns zwischen zwei andere Zelte und der Campingplatz-Straße quetschen. Morgens werden wir dann auch von einem Wohnwagen-Gespann geweckt, dass sich gefühlt 20 Zentimeter neben unseren Köpfen vorbeischiebt. Wir wollen schnell weg hier, packen zusammen und frühstücken unterwegs im Kanu, zusammen mit den Enten.

Ein traumhafter Tag auf der Seenplatte 

So blöd die Nacht auf dem Campingplatz war, so schön ist dieser Morgen auf dem Wasser. Die Sonne lacht uns zu. Wir passieren verschiedene Flussläufe, Kanäle und Seen. Das Ufer ist mal mehrere Hundert Meter entfernt, mal so nahe, dass wir beide Seiten aus dem Kanu mit ausgestreckten Armen berühren können. Einmal müssen wir aussteigen und das Kanu ein kleines Stück ziehen, weil der kleine Kanal so wenig Wasser führt.

Wir sehen Raubvögel in der Luft kreisen und bei einer kurzen Pause an einer Lichtung erschrecken wir sogar einen Fuchs. Auf dem Wasser treffen wir andere Paare in Kanus, Familien die mit Hausbooten unterwegs sind und feiernde Kids auf Flößen. Ja, so ein Floß wollen wir uns auch noch mal leihen – beim nächsten Mal.

Nachmittags kommen wir bei Wustrow am nächsten Campingplatz an und werden schon wieder wie kleine Kinder angemotzt, weil wir nicht sofort für die Toilette bezahlen, sondern erst wie besprochen zum Rucksack laufen und das Portemonnaie holen. Was haben die hier nur für ein Problem? Wenn wir mit den Campingplatzbesitzern oder dem Personal sprachen haben wir eher das Gefühl Soldaten auf dem Kasernenhof zu sein, statt Gäste oder Touristen. Darauf haben wir keine Lust und entscheiden uns dazu hier nicht zu bleiben, sondern noch weiter zu fahren. Ein Fehler?

Unfreiwillige Nacht im Wald

Also paddeln wir weiter. Die Vegetation war von hier an wesentlich dichter als noch am Vormittag. Die Bäume reichen weit über das Wasser das Ufer ist dicht bewachsen. Überall auf dem Wasser ist Schilf und die großen Blätter der Seerosen. Die Navigation fällt hier wesentlich schwerer als am Abend zuvor und gefühlt wird es auch schneller dunkel. Wir paddeln vorsichtig weiter, kommen aber viel langsamer voran. Dann müssen wir eine Entscheidung treffen: in der stock dunklen Nacht weiterfahren oder biwakieren? Die Gefahr ist unserer Meinung nach zu groß, dass wir uns in diesem dunklen Dickicht verfahren und wir entscheiden uns eine freie Stelle am Ufer zu suchen und ein Nachtlager aufzuschlagen. Hierzu muss erwähnt werden, dass das wilde Campen in Mecklenburg Vorpommern nicht erlaubt ist. Es gibt ausgewiesene Wildcampingplätze und nach unseren Erfahrungen mit dem Personal im Campingplatz am Drewensee und am Kanuhof Wustrow werden wir beim nächsten Mal unsere Tour so planen, dass wir an diesen Stellen übernachten. Aber an diesem Abend war es zu spät – die Weiterfahrt in der Dunkelheit zu gefährlich. Im Licht unserer Taschenlampen bauten wir das Zelt auf und hofften, nicht im Garten von jemandem gelandet zu sein. So weit der Kegel der Lampen reichte, sahen wir aber nur Baumstämme und schwarze Nacht. Geschlafen haben wir aber dennoch gut. Nur ein paar Male raschelte etwas im Laub und es knackte im Unterholz. Ein Vogel? Ein Reh? Um nichts in der Welt hätte ich meinen Kopf aus dem Zelt gesteckt.

Krönender Abschluss

Am nächsten Morgen waren wir sehr früh wach und schauten uns erstmal um. Wir waren wirklich weit ab jeder Zivilisation. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Wir hörten nur das Rascheln der Blätter im Wind und das plätschern des Wassers am Ufer. Erstmal ein Frühstück! Also den Gaskocher an und Kaffee und Rührei gemacht. Welch ein Genuss in der freien Natur aufzuwachen und dieses Frühstück zu genießen. Auch die ersten frühen Ausflügler paddelten schon wieder an uns vorbei. Am letzten Tag ging es wieder abwechselnd über große Seen und schmale Kanäle. Dankbar steuerten wir in der Mittagshitze auf den schwimmenden Eisverkäufer zu, bevor wir nach ein paar Schleusen und einigen weiteren Stunden Paddelei erschöpft aber sehr glücklich wieder in Priepert ankamen.

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