Japan – Ōsaka und Kōya-san

Ōsaka, mit 2,6 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Japans nach Tokio und Yokohama. Und ich: mittendrin. Meine Reise beginnt früh morgens am Flughafen Frankfurt. Müde, aber voller Vorfreude steige ich in das Flugzeug, welches mich innerhalb von 15 Stunden über Shanghai zum Kansai Int’l airport bringen soll.

Ich mag den Gedanken daran, die nächsten 14 Tage in einer anderen Kultur und mit neuen Eindrücken zu verbringen.

Ōsaka und Kōya-san

Am Kansai Int´l airport angekommen nehme ich den Zug Richtung Fukushima-ku. Einer von 24 Stadtteilen Osakas, in dem ich die kommenden Nächte bei einem Bekannten unterkommen werde. Dieser unterrichtet gerade Englisch in Osaka: Eine Arbeit, die viele Studenten und Zugezogene in Japan übernehmen und mit der man sich trotz enorm hoher Mietpreise einigermaßen über Wasser halten kann. Mit viel Freude lerne ich in den ersten Tagen in Osaka Einheimische kennen. Trotz meiner dunklen Haare und Augen bin ich eine kleine Attraktion für die Schulkinder, die gerne in Trupps vor mir stehen bleiben und mich in ihren Schuluniformen mit großen Augen neugierig mustern.

Ōsaka und Kōya-san

Die nächsten fünf Tage verbringe ich in der Stadt und besichtige die highlights. Auf einer kleinen Bilderreise nehme ich euch gerne mit durch Osaka, wie ich es erlebt habe:

Ōsaka und Kōya-san

Von vielen Ecken der Stadt kann man Osaka Castle erspähen. Ursprünglich Ōzaka-jō (大坂城) genannt, ist sie eine von Japans berühmtesten Burgen und spielte eine wichtige Rolle bei der Vereinigung Japans im 16. Jahrhundert. Die beeindruckende Anlage mit über einem Quadratkilometer Grundfläche ist bis heute von einem Burggraben umgeben. Die lange Kriegsgeschichte verläuft bis zum 2. Weltkrieg. Erst 1993 wurde die Burg in ihren heutigen Zustand zurück versetzt.

Besonders empfiehlt sich ein Besuch zur Zeit der Blüte der zahlreichen Kirschbäume (Blütezeit: März- Ende Mai).

Das Nachtleben in Osaka ist bunt, aufregend und laut. Egal, ob man in eine der Bars, in einen Karaoke-Club oder ein Restaurant geht – überall herrscht Trubel.

Ōsaka und Kōya-san

Ōsaka und Kōya-san

Dōtombori–dori ist besonders am Abend der place to be, mit seinen tausenden von Leuchtreklamen und TV screens. Ein besonderes Verhältnis haben die Japaner zu dem Glico-Man. Die 33m hohe Leuchttafel ist die erste und am längsten existierende in Japan. Seit 70 Jahren erstahlt der Glico-man an der Ebusu-bashi Brücke in Osaka.

Wessen Ohren Lärm gut aushalten können, sollte einen Abstecher in eine Pachinko-Spielhalle wagen. Pachinko ist eine Mischung aus einem Geldspielautomat und einem senkrechten Bagatelle-Spiel. Der Spieler kauft eine Anzahl (üblicherweise hunderte bis tausende) kleine Metallkugeln, füllt diese oben in das Gerät und kann dann mit einem Hebel bestimmen, wie schnell diese auf das Spielfeld im Automaten geschossen werden. In einer Spielhalle befinden sich teilweise über hundert Automaten und der Lärm der kleinen Kügelchen erfüllt die Luft.

Ōsaka und Kōya-san

Essen kann man in Osaka gut und viel. Auch wenn es nicht immer leicht ist, zu entziffern, was man gerade bekommt. Oft helfen einem Plastikteller, auf denen einem die Gerichte – ebenfalls aus Plastik – gezeigt werden.

Ōsaka und Kōya-san

In einem der vielen Cafés in Osaka erhält man zudem sehr westlichen Kaffee und Cupcakes oder andere Köstlichkeiten.

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Obst ist in Japan generell sehr teuer. So habe ich mir in den Tagen selten frisches Obst und eher eine Suppe an den Straßenständen gekauft. Die vielen kleinen Imbisse direkt an den Straßen sind generell ein kleiner Geheimtipp, denn dort kann man frisch und günstig essen.

In den kommenden Tagen habe ich die Tempel von tenman gu, das Osaka aquarium kaiyukanden, den shinsekai tower oder einen der vielen bunten Märkte besucht.

Ōsaka und Kōya-san

Ōsaka und Kōya-san

Nach sechs Tagen breche ich zu einem fünftägigen Trip in die Berge Rund um Osaka auf.

Ōsaka und Kōya-san

Mit dem Japan Rail Pass kann man mit der Bahn von der Haltestelle Osaka/Umeda nach Gokurakubashi reisen (nehmt am besten den rapid express train, dieser kostet ca. 870 Yen und braucht ca. 100 min (Abfahrt alle 20-30 min). Für den doppelten Fahrpreis kann man 20 Minuten schneller mit dem limited express train fahren. Dieser fährt allerdings nur fünfmal am Tag. Von Gokurakubashi nimmt man die Cablecar nach Koyasan. Die Bahn bringt einen in fünf Minuten für ca. 370 Yen in die Berge von Koyasan.

Ōsaka und Kōya-san

In Koyasan angekommen, überrascht mich als erstes die Stille. Im Vergleich zu dem vollen Osaka hab ich schon am kleinen Bahnhof von Koyasan das Gefühl der Ruhe und Ausgeglichenheit. Von dort nehme ich den Bus zum Shukubo Koya-san Eko-in Temple, meiner Unterkunft für die kommenden vier Nächte. Ihr könnt die Strecke auch wandern. Nach ca. 45 Minuten Fußweg erreicht ihr den Tempel.

Ōsaka und Kōya-san

Ōsaka und Kōya-san

Die Anlage im traditionellen japanischen Stil gehört zu dem 1000 Jahre alten buddhistischen Tempel. Die Mönche sind sehr gastfreundlich und freuen sich, wenn man Interesse an ihren Ritualen zeigt. So konnte ich täglich am buddhistischen Morgenritual und an Meditationen teilnehmen. Man sollte allerdings Respekt zeigen und sich an die Regeln des Klosters halten. So darf man die Räumlichkeiten nur in speziellen Hausschuhen betreten (erhält man vor Ort). Als Frau durfte ich nicht an allen Zeremonien teilnehmen und bestimmte Bereiche das Klosters waren für mich unzugänglich.

Ōsaka und Kōya-san2

Die Kost im Tempel ist zudem ausnahmslos vegetarisch.

Tagsüber wandere ich zu den umliegenden Tempeln, Friedhöfen und Sehenswürdigkeiten – wie dem 10 Gehminuten entfernte Kongobu-ji-Tempel oder der Brücke Ichi-no-Hashi.

Ōsaka und Kōya-san

Ōsaka und Kōya-san

Die Friedhöfe der Tempelanlagen versprühen ein besonderes Gefühl. Durch hohe Bäume und Wälder wandert man an Gräbern vorbei. Den Grabmälern wurden häufig Haniwa, Skulpturen aus Ton, zur Seite gestellt. Ihr Zweck ist die Abgrenzung des sakralen Bereiches der Grabanlage sowie der Schutz der beigesetzten Person. Die Skulpturen werden häufig bemalt oder bekleidet.

Ōsaka und Kōya-san

Ōsaka und Kōya-san

Ōsaka und Kōya-san

Bereits nach zwei Tagen fühle ich mich durch die frische Luft, die Wanderungen, das vegetarische Essen, die Meditationen und die ruhige Ausstrahlung des Ortes und der Mönche erholt und mir selbst ein Stück näher.

Nach fünf Tagen endet meine Reise und ich laufe diesmal die 45 Minuten zur Cablebahn, die mich zum Zug zurück nach Osaka bringt. Am Flughafen von Kansai Int´l airport angekommen überkommt mich ein Hauch von Wehmut, dem ruhigen Lebenstil den Rücken kehren zu müssen. Für mich ist Gewiss, ich komme sicherlich zurück in die Berge von Koyansan. Und auch zurück nach Osaka, um in einer lauen Nacht auf dem Platz Dōtombori–dori ein Eis aus Grünem Tee zu essen und die tausenden Leuchttafeln und den Trubel der Stadt zu beobachten.

Ōsaka und Kōya-san

In dem Sinne: go and travel, herzliche Grüße, Vanessa

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