Hindelanger Klettersteig

Hindelanger Klettersteig (Alle Rechte vorbehalten)

Mit einem muss man ja anfangen

Den ersten richtigen Klettersteig geht man am besten mit jemandem der sehr erfahren ist oder mit einer Alpinschule. Ich habe mich für letzteres Entschieden. Unter den Anfängern wird ja viel über den Hindelanger Klettersteig geredet oder in Foren geschrieben. Ist er zu schwer für Einsteiger? Wie verhält es sich mit den Sicherungen? Wie schätzt man am besten den stetig steigenden Schwierigkeitsgrad ein? Eines vorweg: Ich habe es nicht bereut und in meiner Gruppe sind auch alle heil durch den Steig gekommen, auch wenn wir ihn nicht ganz bis zum großen Daumen (2.280 m) geschafft haben.

Koblatt und Hauptkamm vom Hindelanger Klettersteig aus. (Alle Rechte vorbehalten)
Koblatt und Hauptkamm vom Hindelanger Klettersteig aus.
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Der Steig ist in drei Abschnitte unterteilt, wobei nach jedem Abschnitt die Möglichkeit besteht ins Koblat abzusteigen. Das ist nicht nur von Vorteil, wenn Anfänger irgendwann nicht mehr können sondern auch bei ungewisser Witterung. Ein weiterer Vorteil, der für den Hindelanger Klettersteig als Einsteigerklettersteig spricht: Der Zustieg. Die Nebelhornbahn bringt einen ganz gemächlich auf den Gipfel (2.224 m) – am besten die erste Bahn früh morgens nehmen. Von dort bewegt man sich nahezu horizontal auf dem Steig. Kraft und Konzentration sind somit voll da, wenn es losgeht.

Die schweren Passagen sind versichert. (Alle Rechte vorbehalten)
Die schweren Passagen sind versichert.
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Technisch sollte der erste Abschnitt für jeden machbar sein. Im zweiten beginnen dann schwierigere Passagen, die sich im dritten häufen. Das stellt vor allem für Anfänger ein Problem dar. Hier gilt: Wenn man sich an ein oder zwei Stellen unwohl gefühlt hat oder müde wird, sollte man es gut sein lassen und den nächsten Ausgang nehmen. Der Weg zurück übers Koblat zur Bergstation der Nebelhornbahn sollte nicht unterschätzt werden und vor dem Abstieg wartet noch ein kühles Radler auf der Terrasse vom Edmund-Probst-Haus (1.932 m) auf einen. Die Nebelhornbahn bringt einen in wenigen Minuten zurück ins Tal zum Parkplatz.

Blick auf die nachfolgende Gruppe zeigt, wie ausgesetzt der Grat ist. (Alle Rechte vorbehalten)
Blick auf die nachfolgende Gruppe zeigt, wie ausgesetzt der Grat ist.
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Es sollte sich zudem niemand falsche Illusionen machen. Von Anfang an bewegt man sich im Hochgebirge auf über 2.200 Metern. Das heißt: Wetterumschwünge, Steinschlaggefahr und Absturzgelände. Wer keine alpine Erfahrung hat, sollte sich jemanden mitnehmen der sie hat. Auf dem Steig wurde zwar reichlich Eisen verbaut, dennoch sind ungesicherte Stellen im Absturzgelände häufig. Schwindelfreiheit und absolute Trittsicherheit sind unbedingte Vorraussetzungen. Außerdem ist hier eine Klettersteigausrüstung, bestehend aus Helm, Gurt und Klettersteigset, Pflicht.

Tipp: Wenn man am Tag vorher nach Oberstdorf anreist, kann man in einer netten Wanderung auf der (leider asphaltierten) Straße zum Edmund-Probst-Haus aufsteigen und von dort früh am nächsten Morgen aufbrechen.

Fazit: Viel wird diskutiert, aber eignet er sich? Man kann noch so viele Bücher und Blogs lesen. Mit einem muss man ja anfangen.

Karte: „Allgäuer Alpen“ 1:25.000 vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation

Literatur: Leichte Klettersteige in den Alpen von Eugen und Hildegard Hüsler, Bruckmann. 2005.

Mehr Fotos auf Flickr: Hindelanger Klettersteig

Luftige Kletterei auf dem Hindelanger Klettersteig. (Alle Rechte vorbehalten)
Luftige Kletterei auf dem Hindelanger Klettersteig.
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