Der Sonnenaufgang auf dem Gunung Batur (Mount Batur)

Von Ubud aus wird die Besteigung des Gungung Batur und des Gungung Agnung in geführten Touren angeboten. Eines vorweg: Nicht auf die Idee kommen, die Besteigung ohne Guide zu machen. Es ist nicht erlaubt und wird am Eingang der Parks kontrolliert. Nachdem der Verkäufer der Tour an der Monkey Forrest Road in Ubud uns fairer Weise darauf aufmerksam gemacht hat, dass der Gunung Agnung ein Berg ist, für dessen Besteigung man schon etwas Klettern können muss und die Tour konditionell sehr anspruchsvoll ist, haben wir uns erstmal für die leichtere Variante entschieden. Der Agnung läuft ja nicht weg und wenn wir ganz viel Lust haben, können wir uns am nächsten Tag ja immer noch steigern. So weit so motiviert. Außerdem hat die Besteigung des kleineren Berges den Vorteil, das man eine prima Sicht auf den Agnung hat.

Wir packen also warme Klamotten und etwas Wasser in einen kleinen Rucksack, legen unsere Trekkingschuhe (stabile Turnschuhe tun es auch) daneben und gehen früh schlafen.

Um zwei Uhr klingelt der Wecker. Sind die vier Stunden Schlaf wirklich schon rum? Leicht betäubt ziehen wir uns im gedimmten Licht an, greifen die vorbereiteten Rucksäcke und schleichen durch das Hotel in die warme Nacht hinaus. Wir können bequem T-Shirts tragen und die leichte Brise weht angenehm auf der Haut. Dann tauchen vor der Hoteleinfahrt Lichter auf und ein Balinese steigt aus. Schnell ist klar, nicht unser Guide – wir müssen noch warten. Zehn Minuten später kommt erneut ein Van. Wir scheinen ein gutes Schnäppchen gemacht zu haben, denn nach einem freundlichen „Good Morning“ gleich die Bitte „Don’t talk about the price“. Nein, werden wir nicht. Alles gut. No Problem.

Dann geht es durch Ubud und wir nehmen weitere Teilnehmer unserer Tour in diversen Hotels auf. Als der Van voll ist, werden im Mittelgang Sitze ausgeklappt und somit für drei weitere Teilnehmer Platz gemacht. Es ist schon eine seltsame Atmosphäre in dieser tiefschwarzen Nacht durch die fremden Orte zu rasen, taub vor Müdigkeit und gleichzeitig angespannt vor Aufregung. Immer wieder über schmale Brücken und schließlich in Serpentinen nach oben, können wir anhand der Lichter erahnen, dass wir über den äußeren Kraterrand des Vulkans  gefahren sind. Dieser hat einen Durchmesser von mehreren Kilometern. Mehrere Dörfer befinden sich darin. Der eigentliche Gipfel liegt an einem zweiten Kraterrand im inneren des ersten. Dann, etwa um 04:00 morgens kommen wir an einem Parkplatz an. Jeder bekommt eine Tüte mit Frühstück in die Hand gedrückt, es gibt noch ein paar Anweisungen von unseren Guides, dann werden die Taschenlampen angemacht und es geht los. Zunächst im relativ flachen Gelände auf breitem Wege und dann zunehmend steil im Gänsemarsch. Vor uns sind anscheinend schon mehrere Gruppen los. Wie an einer Perlenkette aufgereiht sehen wir die Lichter der anderen, wie sie langsam den Berg empor klimmen.

Schnell wird klar, dass sich einige Teilnehmer unserer Gruppe übernommen haben. Der Weg wird zunehmend steiler, die Stufen und Tritte größer und dazwischen teilweise lockeres Lavagestein. So ist die erste Pause vielen willkommen. Unsere Guides fragen höflich, ob es in Ordnung ist, wenn sie an einem Schrein für unseren Aufstieg zu beten. Ein Blick zurück zeigt uns, dass wir in ganz schönem Tempo schon einiges an Höhenmetern gemacht haben. Die Lichter auf dem Parkplatz und von den umliegenden Dörfern sehen schon weit entfernt aus. Am Horizon hebt sich der Gunung Agnung in dunkler Silhouette deutlich vom Sternenhimmel ab.

Jetzt wird es anstrengend. Wir sind froh, dass unsere Gruppe von etwa 20 Leuten fünf Guides hat und so einige mit den langsameren zurückbleiben können. Denn der Himmel beginnt heller zu werden und die Umrisse des Gipfels, unseres Ziels, werden schon immer deutlicher. Dann kommen wir zu einer kleinen Hütte, wo etwa hundert schnaufende Menschen ihre Digitalkameras in die Dunkelheit halten und über ihre Lunchpakete herfallen. Dann die Ansage: Wir schauen den Sonnenaufgang hier. Wer will, kann aber gern noch weiter zum Gipfel, ein Guide kommt mit. Klar wollen wir! Im Osten ist der Gunung Angnung nun deutlich zu erkennen und ein paar kleine Wölklein heften sich zur Zierde etwas unterhalb des Gipfels an ihm fest. Nordöstlich ist jetzt schon deutlich das Meer zu erkennen und etwas weiter, im Dunst, die drei Gili Inseln und Lombok mit dem mächtigen Gunung Rinjani.

Dann, es ist schon fast taghell, schiebt sich im Osten der obere Rand der Sonne über den Horizont als wir gerade den Gipfel erreichen. Die ganze Zeit habe ich mich in der nächtlichen Hitze gefragt wofür wir unsere Fleece-Jacken wohl mitgeschleppt haben. Hier oben am Kraterrand wird es jetzt doch wirklich frisch und wir merken, dass der Aufstieg echt anstrengend war. Etwas verschwitzt geniessen wir ein atemberaubendes Naturschauspiel und ein wundervolles Frühstück. War es das wert? Auf jeden Fall!

Auch wenn wir bei weitem nicht alleine waren, war es doch ein ganz besonderer Moment und der Kraterrand ist groß genug, dass man ein ruhiges Plätzchen zu zweit findet. Beim Abstieg beobachten uns wieder Makaken mit großen Augen. Nach wenigen Metern ziehen wir in der zunehmenden Hitze unsere Jacken wieder aus. Wie leicht der Weg nach unten jetzt doch ist! Erschien uns die Gegend beim Aufstieg noch grau und von Lavafeldern durchzogen, wirkte nun alles grün und farbenfroh.

Zurück in Ubud haben wir direkt das nächste Café aufgesucht, es gab einen Fruchtdrink in der Mittagshitze und gegen Nachmittag haben wir uns verdienter Weise bei einer Massage verwöhnen lassen und sind früh ins Bett gegangen.

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