Fliegen mit Baby oder Kleinkind – Tipps und Tricks

Wir hatten ganz schön schiss. Mit unserem zehn Monate alten Baby wollten wir zehn Stunden von Frankfurt nach Vancouver fliegen. Davor natürlich noch die Stunde von unserem Zuhause Hamburg nach Frankfurt. Und das sollte es für unseren Trip nach Kanada in der Elternzeit noch nicht gewesen sein. Es war noch ein Flug von Vancouver nach Toronto geplant und dann mussten wir ja auch noch wieder zurück nach Hause – aber immerhin sollte unsere Tochter dann schon ein Jahr alt sein. Also: Wie fliegt man eine lange Strecke mit einem Baby oder Kleinkind? Wir haben gute Erfahrungen gemacht und ein paar Tipps beherzigt. Seit dem sind wir häufig zum Thema fliegen mit Baby angesprochen worden und haben hier die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zusammengefasst:

Soll das Kind einen eigenen Sitz haben oder auf dem Schoß mitfliegen?

Wir hatten auf den Langstreckenflügen keinen eigenen Sitzplatz für unsere Tochter. Der hätte für ein 10 Monate altes Baby fast so viel gekostet, wie für eine erwachsene Person. Auf unserem Zubringer hat uns das Personal allerdings eine Dreier-Reihe zugewiesen und wir konnten sie in den Maxi-Cosi legen. Dort hat sie wirklich sehr bequem und vor allem sicher gelegen und geschlafen. Allerdings hatte sie es auf den weiteren Flügen auch immer geschafft es sich auf unserem Schoß bequem zu machen und auf dem Rückweg von Toronto nach Frankfurt hatten wir sogar die Möglichkeit, das wir sie auf eine freie Zweier-Reihe in der Nähe unserer Sitze legen konnten. Dies war nur für uns etwas unbequem, da immer einer aufpassen musste, dass unsere Tochter dort nicht im Schlaf runter rollt. Dennoch haben wir auch (abwechselnd) ein paar Stunden Schlaf bekommen. Im Grunde gilt: Platz ist in einem Flugzeug Luxus – natürlich ist es besser mehr zu haben, aber bei uns ging es auch so.

Sicherheit an Bord

Machen wir uns nichts vor. Die Sicherheit an Bord hängt von der Crew ab. In wie weit Anschnallgurte die Überlebenschancen bei einem Unfall während des Starts oder der Landung erhöhen sei einmal dahingestellt. Fakt ist, dass die derzeitige Regelung (Kind auf dem Schoß mit einem Extragurt anzuschnallen) das Unfallrisiko eher erhöht. Trotzdem bestehen einige Kabinenbesatzungen darauf. Wir haben uns jeweils an die Anweisungen gehalten und sie manchmal auch nur auf dem Schoß festgehalten (rückwärts zur Startrichtung und das Köpfchen an unsere Schulter), wenn es für die Besatzung okay war. Am sichersten war es wohl, als sie auf ihrem eigenen Sitz im Maxi-Cosi lag. Aber auch den darf man nicht immer mit in die Kabine nehmen…

Braucht man mehr Zeit am Flughafen?

Eigentlich nicht! Zwar dauert mit einem Kleinkind oder einem Baby am Flughafen alles etwas länger. Ihr habt mehr Gepäck, der Maxi Cosi muss zum Sperrgepäck, die Security dauert länger, weil auch euer Baby abgetastet und der Buggy nach Sprengstoffresten untersucht wird. Dafür werdet ihr aber an allen Schlangen bevorzugt und könnt viel Zeit sparen. Das soll natürlich trotzdem nicht dazu verleiten, erst (zu) spät am Flughafen zu sein.

Gepäckregeln beim fliegen mit Kindern

Jede Airline hat unterschiedliche Regelungen und Gebühren, wenn ihr mit einem Baby oder Kleinkind unter zwei Jahren fliegt. Meistens ist ein aufzugebendes Gepäckstück inklusive. Airlines wie Lufthansa oder Condor erlauben ebenfalls die Mitnahme von einem Buggy und (!) einem Autokindersitz. Leider darf kein weiteres Handgepäck mit in die Kabine genommen werden, was gerade bei Langstrecken schwierig werden kann, denn da gehört so allerhand hinein.

Was gehört bei einem Flug mit Kleinkind oder Baby in die Kabine?

Ihr braucht für die Zeit alles, was ihr auch zuhause benötigen würdet: Windeln, Wechselsachen, Essen, Spielzeug. Zusätzlich würden wir folgendes mitnehmen:
  • Eine Mütze und eine Decke zum Schutz vor der Klimaanlage
  • Was zu knabbern – Gurkensticks sind prima gegen den Druck in den Ohren
  • Was zu trinken, Wasser oder Milchpulver war an der Security kein Problem
  • Babynahrung, ein Gläschen kann in der Regel im Flugzeug aufgewärmt werden
Wenn ihr noch stillt, solltet ihr die Crew einmal darauf hinweisen. Bei uns kamen sie dann häufiger vorbei und haben etwas zu trinken gebracht.

Wie übersteht man den Flug?

Fliegen ist ein riesiges Abenteuer für die Kinder, das jedoch auch schnell langweilig werden kann. Zumindest wenn sie noch in einem Alter sind, in dem sie gar nicht so richtig verstehen was gerade passiert und sie auch mit den Entertainment-Systemen an Bord noch nichts anfangen könnten. Dafür hilft das monotone Geräusch der Triebwerke und das leichte Geschaukel gut beim einschlafen.
Unsere Kleine hatte jeweils bereits vor dem Start ihr näheres Umfeld ausgiebig erkundet und wollte nun hinter den Horizont sehen. Ein oder zwei Stunden haben wir sie dann mit dem mitgebrachten Spielzeug beschäftigt. Etwas Zeit gewinnt man dann noch, wenn es etwas zu essen gibt. Aber dann war der Moment gekommen und wir konnten sie unmöglich weiter auf unseren Schößen halten. Also sind wir mit ihr doch die Kabine gelaufen (sie ist noch gekrabbelt) und haben schnell neue Freunde gefunden. Die älteren Passagiere haben alle total niedlich reagiert und ein wenig mit ihr interagiert. Außerdem hatten wir das Glück, dass fast immer weitere Familien mit kleinen Kindern an Bord waren. So wurde ein Zwischengang oder die Küche im Heck des Flugzeugs zu einem kleinem Elterntreff umfunktioniert. Auch liebenswerte Sitznachbarn in der Reihe vor oder hinter einem können sehr hilfreich werden, wenn es darum geht das Baby zu beschäftigen. So hatten wir beispielsweise zwei sehr freundliche und engagierte Spanierinnen in der Reihe vor uns, die unsere Tochter blitzschnell um den Finger gewickelt hatte und die diese dafür mit diversen spanischen Gesängen und Hüpfspielen auf dem Schoß beglückten. Also habt keine Schau davor euren Schatz kurz aus der Hand zu geben.

Wie reagieren die Besatzungen auf kleine Kinder?

Sowohl auf unseren kurzen Zubringerflügen mit Lufthansa als auch auf den Langstreckenflügen mit Condor haben die Crews eine 1 mit Sternchen verdient. Sie haben sich wirklich total süß um uns und die Kleine gekümmert und es war zum Beispiel gar kein Problem, dass wir durch die Kabine gelaufen sind. Es gab auf den Flügen kleine Spielzeuge, die Crew kam sofort, wenn wir etwas brauchten und vor den Starts wurde immer gesagt, dass wir uns keine Sorgen machen sollen, wenn die Kleine weint oder schreit – das war bei uns zwar nicht der Fall, aber es ist ja trotzdem gut zu wissen, dass es okay ist. Vielleicht solltet ihr daher beim Buchen Wert auf Airlines legen, die für guten Service oder Familienfreundlichkeit bekannt sind und lieber ein paar Euro mehr ausgeben.
Hinweis: Auch wenn wir Condor und Lufthansa hier positiv erwähnen, haben wir keine Vergünstigungen oder ein Sponsoring für die Flüge erhalten. Das ist wirklich unsere Meinung.

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